Zerfallserscheinungen des Abendlandes

Zerfallserscheinungen des Abendlandes

Gastkolumne von Nationalrat Walter Wobmann in der Solothurner Zeitung, Ausgabe vom 18. Dezember 2019.

Die Adventszeit nutze ich gerne, um innezuhalten. Stark zu denken gibt mir, dass wir uns in den hiesigen Breitengraden ohne Not schrittweise von unseren Wurzeln entfernen und sich einige offenbar für unsere Traditionen schämen. So geschehen im sankt-gallischen Wil, wo eine Schule beschlossen hat, beliebte Weihnachtslieder nicht mehr zu singen, weil es scheinbar ein paar Reklamationen ob des christlichen Bezugs dieser Lieder gegeben habe.

Es ist leider zum Regelfall geworden, dass hierzulande Jahr für Jahr solche oder ähnliche Bankrotterklärungen in der Vorweihnachtszeit für Schlagzeilen sorgen. Entweder werden «aus Rücksicht auf andere Kulturen» Krippenspiele nicht mehr aufgestellt (wie in Neuenburg) oder schulische Weihnachtsfeiern werden schlichtweg als zeitgeistkonforme «Jahresabschlussfeiern» verkauft (Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes, im Jahr 2018).

Ja, wo sind wir denn eigentlich angelangt in der Schweiz? Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Geburt Jesu Christi. Weihnachten ist ein christliches Fest und die Schweiz ein christliches Land. Was gewinnen wir, wenn wir unsere eigene Kultur verleugnen, nur um uns bei anderen anzubiedern? Bezeichnenderweise haben die allermeisten friedlichen Muslime keine Probleme damit, dass wir Schweizer zu unseren christlichen Werten stehen – von ein paar Extremisten abgesehen, die wir längst hätten abschieben sollen. Oftmals geht der Bückling von politisch überkorrekten Beamten und Berufspolitikern aus, in deren vertheoretisierten Filterblasen jeglicher Kultur- und Heimatbezug als rückständig und ewiggestrig gilt.

Die Lage ist ernster, als viele möglicherweise denken. Noch erfüllt der Wohlstand die materiellen Bedürfnisse einer grossen Mehrheit. Gleichzeitig aber breiten sich geistige Leere, Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit jedes Jahr mehr aus. Den Abfall von Traditionen und konservativen Ideen verkaufen uns die meinungsmachenden Massenmedien und Universitäten als fortschrittlich und modern. In Wahrheit bildet sich ein neuer Totalitarismus von links, der für sich den Allmachtsanspruch erhebt, mit allen Mitteln für seine Ziele zu kämpfen. Gegen Andersdenkende ist in diesem Weltbild alles erlaubt – denn was «Rechte» und Konservative vertreten, sieht diese Kaste nicht als Meinung, sondern als «Verbrechen» an.

Dieses neue politische Klima führt dazu, dass in Deutschland regelmässig Büros von AfD-Politikern abgefackelt und Vorlesungen nicht genehmer Professoren boykottiert oder gestört werden. Auch in der Schweiz nehmen die Übergriffe von Linksextremisten gegen konservative Politiker zu, wie jüngst wieder Roger Köppel und Christoph Mörgeli in Zürich erfahren mussten.

Dieselben Politiker, die den brutalen Totschlag eines Feuerwehrmannes in Augsburg durch eine Migrantengruppe als «tragischen Vorfall» verniedlichen, fabulieren lieber eine «Gefahr von rechts» herbei, statt die massenhafte Einwanderung nach Europa endlich einzudämmen. Und gegen die Begleiterscheinung der geöffneten Einwanderungsschleusen – dem islamistischen Terror – werden flugs ein paar Betonpoller errichtet, statt das Problem an der Wurzel zu packen.

Ich hoffe, dass wir noch genügend Zeit haben, all diese Fehlentwicklungen zu korrigieren. Auf alle Fälle ist es die Schweiz wert, nie aufzugeben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine frohe und besinnliche Adventszeit, schöne Festtage und alles Gute im neuen Jahr.

Walter Wobmann, Nationalrat SVP, Gretzenbach SO

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